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Startseite Bronzezeithof Uelsen

Lurenklänge für das Musikinstrumentenmuseum Berlin

Zu den spektakulärsten Funden aus der Bronzezeit gehört sicherlich die Lure. Dieser in mehreren Teilen s-förmig aus Bronze gefertigte, gewundene Instrumententyp, meist um die 2 Meter Länge, schließt mit einer flachen Mündungsscheibe ab, die häufig mit Sonnenornamenten verziert ist. Mit den Luren zeigt sich ein perfektionierter Leistungsstand damaliger Instrumentenbauer, der bis heute trotz neuer technischer Verfahren nicht erreicht ist.

Durch meine ehrenamtliche Tätigkeit auf dem Bronzezeithof in Uelsen als Bläser der bronzezeitlichen Nachbildung einer Lure, wurde ich häufig von Besuchern im Anschluss kleiner musikalischer Darbietungen mit Fragen konfrontiert. Beispielsweise: „Klingt die aus Messing gefertigte Nachbildung einer Lure des Bronzezeithofes anders, als ein aus Bronzegefertigtes Instrument“? Die Gelegenheit zur Klärung dieser und ähnlicher Fragen ergab sich im vergangenen Sommer anlässlich eines Besuches in Berlin, verbunden mit einer Kontaktaufnahme zu Herrn Dr. Lerch vom dortigen Musikinstrumentenmuseum.

Rund 3500 Instrumente umfasst die Sammlung des Musikinstrumentenmuseums, darunter zwei Luren. Von Dr. Lerch wurde mir nach einem kurzen Anspiel der Luren in Aussicht gestellt, Tonaufnahmen für das Museum erstellen zu dürfen.

In der vergangenen Woche konnte ich dann einer Einladung des Staatlichen Institutes für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz nach Berlin folgen. Die Zuordnung der beiden museumseigenen Luren-Nachbildungen zu einem der über 60 bisher gefundenen Originale ist noch nicht gesichert. Ebenso lässt sich über die verwendeten Legierungen derzeit keine konkrete Aussage machen. Wie sich herausstellte, gab es nach erstem Einspielen mit den beiden Luren bei einem der Instrumente Anblasprobleme sowie Einbußen in der Klangqualität, so dass die beiden Tonbeispiele nur mit einem Instrument eingespielt wurden.

Eine der beiden Tonaufnahmen gibt Einblicke in spieltechnische Möglichkeiten. Die zweite Aufnahme beschränkt sich auf grundtonbezogenes Blasen unter Verwendung der Zirkularatmung, die heute von Wissenschaftlern als mögliche damalige Spielart in Betracht gezogen wird, da diese Formgebung eines Klangbildes nichts mehr mit den Signalen der herkömmlichen Spielweise zu tun hat. Die Aufnahmen werden demnächst den Besuchern des Musikinstrumentenmuseums zur Verfügung stehen.

Kunibert Zirkel