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Felsb Stier

Die Rinder. Nun ist es tatsächlich soweit: Der Bronzezeithof Uelsen hat - wie es sich für einen richtigen Bauernhof gehört - Rinder angeschafft.

Seit diesem Herbst grasen die beiden Dexter-Kühe Emma und Isabell auf der Weide des Hofes und bieten damit ein Bild, wie es vor 3000 Jahren ähnlich gewesen sein wird.

Felsbild aus Schweden

 

Von Anfang an - so steht es auch im Projektkonzept - war es eines der zentralen Ziele, nicht nur die Bauten eines Bauernhofes, wie er vor 3000 Jahren wohl ausgesehen haben mag, zu errichten, sondern diese auch möglichst intensiv zu bewohnen und bewirtschaften. Dazu gehört auch die Rinderhaltung. Die archäologischen Nachweise für eine neben dem Ackerbau besonders auf der Haltung von Rindern basierende bronzezeitliche Landwirtschaft sind vielfältig. Eine wahre Flut von Felsbildern aus Skandinavien (die so gen. Helleristninger oder Hällristningar) belegt, wie Rinder den Hakenpflug, schwere zweirädrige Karren und vierrädrige Wagen ziehen; Reste solcher Wagen und Joche wurden aus den Mooren in unserer Region geborgen. Das Rind spielte also in der Wirtschaft - und jedenfalls auch im Kult - eine zentrale Rolle. Diese Bedeutung zeigen uns einem ausgeprägten Stierkult zuzuordnende Funde aus dem Mittelmeerraum - der Region, aus der ganz offensichtlich viele Ideen nach Mittel- und Nordeuropa "exportiert" wurden, sowohl rein diesseitiger als auch mythologischer Natur.

Wie nun aber sollten wir tatsächlich vorgehen, um unser Ziel zu erreichen? Am Anfang stand die Frage, ob wir wenigstens ungefähr sagen können, wie das Rind der Bronzezeit denn aussah. Das war recht einfach:  Viele Knochenfunde aus ganz Europa geben Aufschluss über den Körperbau der Tiere. Wir wissen, dass es sich in Mitteleuropa um recht kleine Individuen mit einer Widerristhöhe von 1 bis 1,20 m handelte, gleichwohl mit einem recht tiefen Rahmen und einem durchaus robustem Körperbau. Auch die Behornung  - es handelte sich um relativ kleine Hörner mit nach vorn gebogener Krümmung - ist nachgewiesen. Natürlich wissen wir fast nichts über die Fellfarbe, denn die wenigen Leder- und Kuhhautfunde aus unseren Mooren und südskandinavischen Grabhügeln sind allesamt braun verfärbt. Allerdings lässt sich braun bis schwarz annehmen, und die Funde zeigen keine Fleckung, wie sie die heutigen schwarz- oder rotbunten Rinder haben. So also sollten unsere Rinder aussehen: klein, kräftig, einfarbig dunkelbraun bis schwarz. Und robust sollten sie sein, denn wir wissen aufgrund archäobotanischer Untersuchungsergebnisse, dass sie die meiste Zeit des Jahres draußen geweidet wurden.

Es gibt in Europa eine ganze Reihe von solchen Rinderrassen, die heute natürlich keine wirtschaftliche Bedeutung mehr haben, aber aus ideellen Gründen weiter gezüchtet werden. Und eine dieser Rassen entspricht unseren Kriterien weitgehend: Es sind die so genannten Dexter-Rinder. Das ist nun keine uralte Rinderrasse mit womöglich direkten Vorfahren bis zurück in die Bronzezeit; es handelt sich vielmehr um eine Züchtung der 1840er Jahre eines gewissen Herrn Dexter in Südwestirland. Die Eigenschaften - robust, wetterhart, anspruchlos im Futter und in der Haltung, frohwüchsig, frühreif, leichtkalbig, langlebig, ausgeglichen im Wesen - machten sie zur idealen Kuh der kleinbäuerlichen Farmen jener Zeit. Die Kühe haben genug Milch für zwei bis drei Kälber - sind es nur eines oder zwei, bleibt genug Milch für die Menschen. Die Bullen setzen gut Fleisch an, das von einer ganz eigenen Qualität ist (dunkler, marmorierter, etwas wildartig, zart). Alles in allem ein typisches Zweinutzungsrind, das darüber hinaus auch zum Pflügen leichter Böden und zum Ziehen leichterer Karren und Wagen geeignet ist. Das entspricht also ziemlich genau unserer Vorstellung vom bronzezeitlichen Rind!


Emma und Isabel

 

Nach langer Diskussion über die Rinderhaltung überhaupt - schließlich übernehmen wir damit eine große Verantwortung, und die Fragen der langfristigen Haltung und Betreuung mussten zunächst geklärt werden - konnten wir dank einer großzügigen Spende der Volksbank Niedergrafschaft in Uelsen zwei Färsen von einem Züchter in der Nähe von Osnabrück zu einem sehr günstigen Preis erwerben. Die beiden Tiere waren in der ersten Zeit auf dem Arendshof in Eschebrügge bei Laar untergebracht, einem Arche-Hof, der sich dem Erhalt bedrohter Haustierrassen (u. a. Bentheimer Landschafe, Bentheimer Schweine, Emdener Gänse, Glanrinder, Schwarzhalsziegen, Friesenpferde...) verschrieben hat (Haustierpark Arendshof, Tel. 05947-534). Hier wurden sie vom Eigentümer und von Joke Schmidt betreut, die erst in diesem Sommer zum Arbeitskreis dazu kam und sich voll und ganz auf Emma und Isabell, wie die beiden Damen heißen, konzentriert hat. Joke hat viel Erfahrung im Umgang mit allen möglichen Tieren - die Kühe waren für sie eine neue Herausforderung, die sie mit großer Leidenschaft angenommen hat.

Joke mit Emma und Isabel

 

Nun haben wir also Emma und Isabell, und wir haben eine engagierte Betreuerin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die beiden so handzahm wie nur irgend möglich zu machen. Mit unseren Nachbarn - dem Blekkerhof - haben wir einen Vertrag abgeschlossen, der die gemeinsame Nutzung unserer und ihrer Weidefläche direkt neben dem Bronzezeithof regelt. So werden Emma und Isabell gemeinsam mit einigen Bentheimer Landschafen das lebendige Bild des Bronzezeithofs bereichern! Schon in der Spätsaison dieses Jahres wurden die beiden Kühe zu einer weiteren Attraktion für unsere Besucherinnen und Besucher - vor allem für die Kinder, die die Tiere inzwischen sogar streicheln können. Wer weiß - vielleicht können wir auch irgendwann einmal anspannen und Pflug oder Wagen ziehen lassen? Vielleicht gibt es auch einmal Nachwuchs?