Geschichte des Bronzezeithofes

Der Goldene Becher vom Spöllberg. Er stammt aus der Bronzezeit und ist womöglich der berühmteste archäologische Fund aus der Grafschaft Bentheim…

Das Projekt Bronzezeithof Uelsen – eine Erfolgsgeschichte

Spätestens seit dem Fund des goldenen Bechers vom Spöllberg in Gölenkamp im Jahre 1840 war deutlich, dass das Gebiet um Uelsen eine urgeschichtliche Bedeutung hatte. Keine andere Gemeinde im weiteren Umkreis besitzt so viele Grabhügel aus der Bronzezeit wie Uelsen und seine Umgebung. Einige dieser Grabhügel sind allerdings Ende der 60er Jahre der Ausdehnung des Ortes und der Errichtung neuer Siedlungen (Iland, Lasebrook, Steenebarg) zum Opfer gefallen.

Die Karte der Grafschaft Bentheim zeigt, dass die Gegend um Uelsen herum (im nordwestlichen Teil des Landkreises) besonders reich an bronzezeitlichen Fundstellen ist.

Einer der Grabhügel auf dem Spöllberg. In der Gegend um Uelsen gibt es mehrere besonders schöne Grabhügelgruppen, die auf markanten Geländeerhebungen errichtet worden sind: neben dem Grabhügelfeld am Spöllberg z. B. die Negenbarge in Gölenkamp, die Negenbarge in Hilten und die Söven Pölle in Getelo.

Die Idee des Bronzezeithofs hängt unmittelbar mit archäologischen Funden am Riedberg im Jahr 2003 zusammen. Ein Anwohner fand in dem geplanten Neubaugebiet Uelsen-Ost Tonscherben. Er bemerkte auch auffällige dunkle Flecken im rötlich-gelben Erdreich. Die herbeigerufenen Wissenschaftler der Bezirksarchäologie Weser-Ems entdeckten dort ein umfangreiches Grabhügelfeld, das – ebenso wie der goldene Becher – der Bronzezeit zuzuordnen ist.

Plan des Gräberfelds auf dem Riedberg in Uelsen.

Eine Fläche von beinahe 6500 m² wurde in drei Kampagnen 2003 bis 2005 untersucht. Unter der Leitung von Dr. Jörg Eckert und Michael Wesemann vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Oldenburg bargen und dokumentierten die Archäologen mehr als 200 Bestattungen in Urnen und Brandschüttungsgräbern. Im Grabungsplan sind die kreis- oder U-förmigen Einhegungsgräbchen der Grabanlagen zu erkennen. Sie lassen sich etwa auf den Zeitraum 11. bis 6. Jahrhundert v. Chr. datieren.

Hijken (Prov. Drente, NL), Haus 4. Ausgrabungsplan…

…und zeichnerische Rekonstruktion des Bauplans. Abweichend von dieser ersten Version verzichteten wir später auf die doppelten Wandpfosten des Originalgrundrisses Hijken Haus 4, die als Stützen für eine Wand aus waagerechten Brettern angesprochen werden. In Uelsen solte das Haus mit einfachen Wandpfosten, zwischen denen Flechtwerkwände stehen, gebaut werden.

Zunächst mussten aber die politischen und finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden: Bürgermeister Wever überzeugte als erstes seine Ratskollegen. Außerdem erreichte er bei der Euregio in Gronau eine Förderung des Projekts ‹Bronzezeithof›. Man ging nicht zuletzt davon aus, dass dieses Projekt den grenzüberschreitenden Tourismus beleben würde. Als Bauherr wurde die niederländische Stiftung Ribo gewonnen. Architekt Horst Jäkel aus Nordhorn übernahm die Bauleitung. Er hatte z. B. auch die Aussichtstürme auf dem Isterberg und auf dem Lönsberg in Hesingen entworfen.

Den Aufbau des Kerngerüsts und des Dachstuhls übernahmen die Zimmerleute der Werkstätten für Denkmalpflege aus Quedlinburg, die dafür 40 – 50 Jahre alte Eichenstämme verwendeten. Die Pfosten wurden zunächst im Feuer angekohlt und so vor dem Verfaulen geschützt. Die Pfostenpaare des gut 20 Meter langes Hauses sind mit Schotter verkeilt in die 1 Meter tiefen Erdlöcher eingelassen – ein eigentliches Fundament gibt es also nicht. Beim Bau des wurde weitgehend auf modernes Baumaterial verzichtet. Statt mit Nägeln wurde der Dachstuhl vornehmlich mit Seilen und Holznägeln stabilisiert, nur an einigen besonders belasteten Stellen wurden Stahlbolzen eingesetzt – das Haus soll schließlich viele Jahrzehnte stehen…

Einsetzung der Pfosten mit den Jochen in die vorbereiteten Pfostengruben. März 2005
Schon beim Bau des Hauses konnten sich Schülerinnen und Schüler beteiligen. Besonders beliebt war das Verputzen der Flechtwände mit Lehm…

Die Seitenwände bestehen aus Flechtwänden mit Lehmputz. Die Flechtwände wurden aus Weideruten hergestellt, die von der Firma de Jong aus Hengelo geliefert wurden. Der Putz, eine Mischung aus Lehm, Sand und Hanffasern wurde mit Unterstützung durch Schüler des Gymnasiums Uelsen aufgetragen. Der Boden des Hauses besteht ebenfalls aus Lehm, der von der Firma Oldekamp aus Emlichheim fachgerecht gestampft wurde.

Der Dachstuhl ist beinahe fertig – nur die Dachlatten fehlen noch, dann können die Reetdachdecker kommen.

Der Dachstuhl besteht aus Eichendachbalken, auf die die Dachlatten aus Erle aufgebunden sind. Die Dachhaut wurde von der Firma Rolf Eggersglüß Reet & Lehm aus Dahlenburg bei Lüneburg mit Material gefertigt, das aus Masuren in Polen stammt – rund 1400 Bündel wurden hierfür verarbeitet. Das ergab eine etwa 30 – 40 Zentimeter dicke Dachschicht. Man geht davon aus, dass dieses Dach rund 40 Jahre halten wird.

Die Fertigstellung des Bronzezeithauses dauerte nur etwa 3 Monate. Am 10. Juni 2005 wurde das Haus an den VVV und die Gemeinde Uelsen übergeben und kurz darauf mit einem zweitägigen Programm das Bronzezeithaus der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei boten Mitglieder des VVV und des Archäologischen Netzwerks Archae e.V. aus Ganderkesee bei Oldenburg (www.archae.net) Einblicke in das Alltagsleben in der Bronzezeit.